Nebelverhangene Nordseeküste im Abendlicht – Symbolbild für den Blogartikel Mit Herz und Hirn

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Mit Herz und Hirn

Beim Schreiben ist man nie ganz unsichtbar.

Das habe ich erst mit der Zeit verstanden.

Als ich anfing, ernsthaft darüber nachzudenken, Romane zu schreiben, hatte ich vor allem Geschichten im Kopf. Figuren, die irgendwo auftauchten und plötzlich Dinge taten, die ich so gar nicht geplant hatte. Orte, an denen ich selbst gern unterwegs war. Und natürlich die große Frage, ob aus all dem irgendwann tatsächlich ein Buch werden würde.

Was mir damals weniger bewusst war: In jeder Geschichte steckt auch ein Stück von dem Menschen, der sie schreibt.

Nicht unbedingt das eigene Leben. Das wäre mir viel zu einfach. Aber Gedanken. Beobachtungen. Humor. Ängste. Sehnsüchte. Die Art, wie man Menschen betrachtet und wie man entscheidet, was eine Figur sagen, oder lieber für sich behalten soll.

Und natürlich auch darin, wie man erzählt.

Ich glaube, dass genau das den Reiz von Büchern ausmacht. Zwei Menschen können über ein ähnliches Thema schreiben und am Ende entstehen trotzdem zwei völlig unterschiedliche Geschichten. Weil jeder Autor anders auf die Welt schaut.

Bei mir landet dabei vermutlich mehr Nordsee in den Geschichten, als mir manchmal bewusst ist. Wind, der einem die Frisur ruiniert. Menschen, die sich seit Jahrzehnten kennen und trotzdem nicht alles voneinander wissen. Eine Tasse Tee, die in schwierigen Situationen erstaunlich zuverlässig hilft. Und natürlich die Erkenntnis, dass auf einer kleinen Insel selten etwas wirklich geheim bleibt.

Der eigene Stil entsteht nicht erst beim ersten Satz eines Romans. Er steckt schon in der Idee. In der Frage, welche Geschichte man überhaupt erzählen möchte. In den Figuren, die man erschafft. In den Entscheidungen, die man für die Geschichte trifft.

Da steckt Zeit darin. Erfahrung. Fantasie. Zweifel. Begeisterung. Manchmal auch ein ziemlich leerer Teebecher neben dem Laptop und die Erkenntnis, dass der Satz, an dem man seit zwanzig Minuten sitzt, immer noch nicht funktioniert.

Das gehört dazu.

Ich habe Texte gelesen, die mit KI-Unterstützung entstanden sind: Sie waren flüssig, leicht zu lesen, handwerklich glatt.

Und trotzdem habe ich etwas vermisst.

Meine Romane sollen auch weiterhin von mir kommen. Von der ersten Idee bis zum letzten Satz. Mit Herz und Hirn, mit Zweifeln und gelegentlichen Umwegen, und manchmal vermutlich auch mit einer Tasse Tee, die längst kalt geworden ist.

Denn wenn ich eine Geschichte erzähle, möchte ich nicht nur, dass sie gelesen wird.

Ich möchte, dass man spürt, dass jemand sie geschrieben hat.

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