Nebelverhangene Nordseeküste im Abendlicht – Symbolbild für Regionalkrimi Schleswig-Holstein

Genre-Ratgeber · Regionalkrimi Schleswig-Holstein

Regionalkrimi aus Schleswig-Holstein: authentisch und nordisch

Ein Regionalkrimi lebt davon, dass man ihn nicht umtopfen kann. Nimm die Landschaft weg, und die Geschichte fällt in sich zusammen. Genau deshalb schreibe ich meine Kriminalromane in Schleswig-Holstein und nirgendwo sonst: Zwischen Deich, Watt und Inseldorf gibt es Bedingungen, die es anderswo nicht gibt, und die entscheiden bei mir über Tathergang, Alibi und Auflösung.

Warum Schleswig-Holstein als Krimi-Schauplatz?

Vielfalt auf kurzer Strecke

Wenige Bundesländer bieten so viel Unterschied auf so wenig Fläche. Im Westen die Nordsee mit Marsch, Deichen, Halligen und Inseln. In der Mitte die Geest, karg, höher gelegen, mit Heide und Knicks. Im Osten die Ostsee mit Förden, Steilufern und einer völlig anderen Mentalität.

Dazu Städte mit eigenem Charakter: Kiel als Landeshauptstadt und Hafenstadt, Flensburg an der dänischen Grenze, Husum als Tor zum Nationalpark und literarisch seit Theodor Storm vorbelastet, Lübeck mit Backstein und Kaufmannsgeschichte. Zwischen einem Kieler Werftkrimi und einem Fall auf einer nordfriesischen Hallig liegen zwei Autostunden und zwei Welten.

Typische Motive

Der Deich, der schützt und begrenzt zugleich, und unter dem Dinge lange liegen bleiben. Der Hafen als Ort, an dem Waren ankommen, über die niemand spricht. Die Grenze zu Dänemark, die eine Region und zwei Rechtssysteme trennt. Das friesische Selbstverständnis, das aus Jahrhunderten relativer Unabhängigkeit stammt und bis heute wirkt.

Und das Licht. Nordisch heißt hier nicht kalt, sondern flach: Die Sonne steht selten hoch, die Schatten sind lang, und im Winter dauert die Dämmerung länger als der Tag. Das erzeugt eine Stimmung, für die andere Regionen Kunstnebel bräuchten.

Meine Verbindung zu Schleswig-Holstein

Ich bin 1981 in Nordfriesland geboren und zwischen Nordseewind und einer norddeutschen Dorfgemeinschaft groß geworden, die herzlich und eigenwillig zugleich war. Meine Großmutter hat mir beigebracht, dass man die Wahrheit meistens erst beim zweiten Hinsehen erkennt. Das ist, wenn man so will, meine gesamte Ausbildung zur Krimiautorin.

Nach dem Soziologiestudium in Hamburg hat es mich zurück an die Küste gezogen. Der soziologische Blick ist geblieben, nur das Untersuchungsobjekt ist kleiner geworden: Wer redet mit wem, wer grüßt wen nicht mehr, wer sitzt im Vorstand, und wessen Familie hat wann welches Land verkauft.

Wie reale Orte in die Romane kommen

Meine Regel ist einfach: Die Geografie ist echt, die Häuser sind erfunden.

Ortsnamen, Wege, Entfernungen, Fährzeiten und Gezeiten stimmen. Wer mit dem Rad von Nieblum nach Utersum fährt, braucht im Buch so lange wie in Wirklichkeit, und wenn bei mir das Wasser abläuft, läuft es auch im Tidenkalender ab. Das Hotel, die Teestube, der Hofladen und vor allem die Familien darin sind frei erfunden.

Für diese Trennung gibt es zwei Gründe. Der erste ist handwerklich: Leserinnen von der Küste merken sofort, wenn etwas nicht stimmt, und dann ist das Vertrauen weg. Der zweite ist praktisch: Ich möchte auf der Insel weiterhin einkaufen gehen können.

Recherche heißt bei mir deshalb weniger Archiv und mehr Zuhören. Beim Bäcker, an der Fähre, auf dem Deich. Was ich im Archiv finde, muss stimmen. Was ich beim Bäcker höre, muss stimmen können.

Schauplätze in meinen Büchern

Alle meine Fälle spielen auf Föhr, der grünen Nordseeinsel in Nordfriesland.

Nieblum: Kapitänshäuser und ein Friedhof voller Lebensläufe

Nieblum ist der Wohnort meiner Ermittlerin Maren Feddersen und das Herz der Reihe. Reetdächer, schmale Wege, St. Johannis mitten im Dorf, das man wegen seiner Größe Friesendom nennt. Auf dem Friedhof stehen auf alten Grabsteinen ganze Biografien, oft mit einem Schiff und manchmal mit dem Ort, an dem jemand nicht mehr zurückkam.

Hier steht auch das Kapitänshaus von Tante Gesa mit ihrem Karteikartenarchiv. In der Vorgeschichte Friesentod unterm Reetdach beginnt alles genau dort.

Das Watt und die Priele: der unbestechlichste Mitspieler

Das Wattenmeer gibt frei und nimmt zurück, zweimal am Tag, nach einem Fahrplan, den niemand verhandeln kann. Für einen Krimi ist das ein Geschenk: ein Timer, der öffentlich einsehbar und trotzdem lebensgefährlich ist.

In Wattgeheimnisse sieht ein zehnjähriger Urlauber bei einer Wattwanderung eine Leiche im Priel treiben. Bis jemand ihm glaubt, hat die Flut alle Spuren mitgenommen.

Der Deich: Schutz, Grenze und Gedächtnis

Der Deich ist das wichtigste Bauwerk der Westküste und gleichzeitig das perfekte Versteck. Was einmal darin liegt, bleibt dort, bis eine Sturmflut anderer Meinung ist. In Deichgrab reißt genau das den Boden auf und legt einen Koffer frei, der dreißig Jahre lang niemanden gestört hat.

Die Salzwiesen im Norden: Weite ohne Zeugen

Die Nordseite der Insel ist Watt und Salzwiese, dort wird nicht gebadet und selten spaziert. Das ist die Gegend, in der man stundenlang niemandem begegnet. In Salzwiesen-Schweigen steht dort ein Traktor ohne seinen Besitzer, und ein Investor spricht schon von neuen Möglichkeiten für das Land.

Wyk und die Saison: die Insel in ihrer lautesten Zeit

Wyk ist die einzige Stadt der Insel, mit Hafen, Sandwall und allem, was die Dörfer nicht haben. Im August wird daraus ein anderer Ort: volle Radwege, gereizte Menschen, kurze Nächte. In Schlick & Schmuggelware stirbt mitten in dieser Hochsaison ein Wellness-Berater aus Hamburg im Spa-Flügel eines Hotels, das ich erfunden und nach der sagenumwobenen versunkenen Siedlung Rungholt benannt habe.

Mehr über die Insel selbst: Föhr entdecken

Typische Elemente meiner SH-Krimis

Sprache, Wetter, Mentalität

Auf Föhr wird neben Deutsch auch Fering gesprochen, die friesische Inselsprache. Ich streue sie sparsam ein, weil ein Krimi kein Sprachkurs ist, aber sie ist da, und sie markiert Zugehörigkeit. Genauso wie ein „Moin", das je nach Betonung Begrüßung, Feststellung oder Warnung sein kann.

Schweigen ist hier keine Gesprächspause, sondern eine Antwort. Das ist für Ermittlungen unbequem und für Romane hervorragend, weil die interessante Frage nicht lautet, wer gelogen hat, sondern wer nichts gesagt hat und warum.

Wetter behandle ich als Figur. Sturm schneidet die Insel ab, Nebel nimmt Orientierung, Hochsaison erzeugt Zeugendichte, Novembernebensaison erzeugt Einsamkeit. Ich plane das Wetter, bevor ich die Handlung plane.

Regionale Kriminalität: erfunden, aber plausibel

Meine Fälle sind frei erfunden, aber sie sind aus Konflikten gebaut, die es an dieser Küste wirklich gibt: Erbstreit um Land, das plötzlich wertvoll wird. Ferienwohnungen gegen Dauerwohnraum. Investoren, die freundlich formulieren. Vereinspolitik, in der es angeblich um die Sache geht. Ware, die über eine Grenze kommt, die aus Wasser besteht.

Was du bei mir nicht findest: Serienmörder, Kartelle und Gewalt als Selbstzweck. Es wird gestorben, aber die Kamera schwenkt weg. Warum das kein Widerspruch ist, erkläre ich hier: Cozy Crime deutsch

Für Fans von Nordsee und Krimi