Wenn ich erzähle, dass ich meine Kriminalromane selbst verlege, kommt fast immer dieselbe Rückfrage: Hat sich denn kein Verlag gefunden? Die ehrliche Antwort lautet: Ich habe nicht gesucht.
Diese Seite erklärt, warum. Sie ist für Leserinnen gedacht, die wissen wollen, wo meine Bücher herkommen, und für Autorinnen und Autoren, die überlegen, denselben Weg zu gehen. Ich beschönige dabei nichts. Selfpublishing ist ein Beruf mit vielen Nebentätigkeiten, und nicht jede davon macht Spaß.
Warum ich mich für den Selbstverlag entschieden habe
Kreative Kontrolle
Beim Regionalkrimi entscheidet Genauigkeit über Glaubwürdigkeit. Ich will bestimmen, wie viel Fering in einem Dialog steht, ob eine Teestunde drei Seiten dauern darf und wie leise eine Auflösung sein kann. Im Selbstverlag muss ich das mit niemandem verhandeln. Wenn ich mich verschätze, merke ich es an den Rezensionen, und das ist eine ehrliche Rückmeldung.
Dazu gehört auch das Cover. Es ist das wichtigste Verkaufsargument, das ein Buch hat, und es muss zum Genre passen und mir gefallen, nicht dem Geschmack einer Konferenz.
Nähe zu den Leserinnen
Zwischen einer Mail aus dem Postfach und der nächsten Szene liegen bei mir manchmal zwei Tage. Wenn jemand schreibt, dass Bente zu wenig vorkommt, kann ich das im nächsten Band ändern. Kein Verlag der Welt ist so schnell, und keine Marktanalyse ersetzt einen Satz wie „Ich habe diese Stelle dreimal gelesen".
Tempo und Flexibilität
Reihen leben von Verlässlichkeit. Wer Band 1 mochte, möchte nicht zwei Jahre auf Band 2 warten. Im Selbstverlag bestimme ich den Takt, kann einen Titel ändern, ein Cover neu machen lassen, eine Leseprobe austauschen oder einen Preis für eine Aktion senken, und zwar innerhalb eines Tages.
Der Preis dafür ist Verantwortung. Jeder Fehler gehört mir. Es gibt niemanden, der im Hintergrund noch einmal draufschaut, außer denen, die ich selbst dafür bezahle.
Meine Self-Publishing-Plattformen
Es gibt nicht die eine richtige Plattform, sondern eine Entscheidung mit Folgen. Der wichtigste Punkt zuerst: Wer sein E-Book in Kindle Unlimited anbietet, verpflichtet sich zur Exklusivität bei Amazon. Wer breit veröffentlichen will, verzichtet auf KU. Beides gleichzeitig geht nicht.
- Amazon KDP. Die größte Reichweite im deutschsprachigen E-Book-Markt, dazu Print on Demand fürs Taschenbuch und mit Kindle Unlimited ein Abo-Modell, in dem Vielleserinnen ganze Reihen am Stück lesen. Für Reihenautorinnen ist das ein starkes Argument. Nachteil: Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter, dessen Regeln sich ändern können.
- tolino media. Der Zugang zum deutschen Buchhandel im digitalen Bereich, über Thalia, Hugendubel, Osiander, Weltbild und weitere. Wichtig für alle, die nicht nur bei Amazon stattfinden wollen.
- BoD und epubli. Klassische Selfpublishing-Dienstleister mit Print on Demand und einer ISBN, die den Titel für Buchhandlungen bestellbar macht. Etwas mehr Service, dafür geringere Marge.
- Aggregatoren wie Draft2Digital oder PublishDrive verteilen ein E-Book an viele Shops gleichzeitig, inklusive Apple Books und Kobo. Spart Arbeit, kostet etwas mehr.
Mein Stand heute: Die E-Books erscheinen bei Amazon und sind mit Kindle Unlimited lesbar, das Taschenbuch kommt bald breiter in den Handel.
Vom Manuskript zum Buch: mein Prozess
Überarbeitung
Die Rohfassung ist nicht das Buch, sie ist das Material. Ich lasse sie mindestens zwei Wochen liegen, bevor ich sie wieder ansehe. Danach prüfe ich in getrennten Durchgängen: Fallogik, Figurenkonsistenz, Tempo, Sprache. Alles auf einmal funktioniert nicht, weil man dann nichts davon richtig sieht.
Bei einem Krimi kommt eine Prüfung dazu, die andere Genres nicht brauchen: Liegen alle Hinweise sichtbar auf dem Tisch? Fair Play heißt für mich, dass eine aufmerksame Leserin theoretisch mitraten kann. Wer die Lösung erst im letzten Kapitel erfindet, verliert sein Publikum dauerhaft.
Beta-Leser:innen
Zwei bis drei Menschen, die den Text vor allen anderen lesen, und zwar mit klarem Auftrag. Fragen wie „Fandest du es gut?" bringen nichts. Nützlich sind: Wo hast du eine Pause gemacht? Ab wann wusstest du, wer es war? Welche Figur hast du verwechselt?
Eine Leserin von der Küste ist Gold wert, weil sie merkt, wenn ein Weg nicht stimmt oder eine Redewendung falsch sitzt.
Korrektorat und Lektorat
Hier wird nicht gespart. Ein Lektorat sieht die Struktur, ein Korrektorat die Rechtschreibung, und beides zusammen entscheidet darüber, ob ein Buch professionell wirkt. Tippfehler sind das Erste, was in schlechten Rezensionen auftaucht, und das Einzige, was sich komplett vermeiden lässt.
Cover und Formatierung
Das Cover muss in Briefmarkengröße funktionieren, denn so sieht es die Mehrheit zuerst. Beim Regionalkrimi heißt das: Landschaft, klare Typografie, ein Genre-Signal auf den ersten Blick. Wer zwischen Cozy Crime und Thriller nicht unterscheidbar ist, bekommt die falschen Leserinnen und dafür die passenden Enttäuschungen.
Für den Satz gilt Zurückhaltung. Lesbare Schrift, saubere Absätze, funktionierendes Inhaltsverzeichnis. Beim Taschenbuch kommen Seitenspiegel und Bundsteg dazu, das ist Handwerk und lässt sich lernen.
Metadaten und Keywords
Der unterschätzte Teil. Titel, Untertitel, Klappentext, Kategorien und Suchbegriffe entscheiden darüber, ob ein Buch überhaupt gefunden wird.
Bei Krimis funktionieren Begriffe, die Leserinnen wirklich eingeben: Küstenkrimi, Inselkrimi, Nordseekrimi, Wohlfühlkrimi, Ostfrieslandkrimi, dazu der Schauplatz. Deshalb steht auf meinen Büchern nicht nur der Titel, sondern auch die Einordnung. Der Klappentext ist kein Inhaltsangabe-Wettbewerb, sondern ein Versprechen: Ort, Ton, Fall, Ermittlerin, in dieser Reihenfolge, und in den ersten zwei Zeilen muss das Wichtigste stehen, weil danach der Weiterlesen-Link kommt.
Veröffentlichung und danach
Hochladen ist der kleinste Schritt. Danach beginnt der Teil, der neben dem Schreiben die meiste Zeit frisst: Anzeigen aufsetzen und betreuen, Newsletter schreiben, Social Media bespielen (das benötigt mithin die meiste Zeit), Rezensionen im Blick behalten. Wer Selfpublishing wählt, wählt einen zweiten Beruf dazu.
Tipps für andere Krimi-Autor:innen
- Schreib eine Reihe, nicht einen Einzeltitel. Im Krimi liegt der Umsatz in den Folgebänden. Band 1 ist der Einstieg und darf ruhig günstig sein.
- Investiere zuerst ins Cover, dann ins Lektorat, dann in Werbung. Anzeigen auf ein schwaches Cover sind verbranntes Geld.
- Halte den Ton konstant. Wer einmal Wohlfühlkrimi verspricht, darf in Band 3 nicht plötzlich einen Serienmörder bringen. Genrebruch kostet Stammleserinnen.
- Bau früh einen Newsletter auf. Anzeigenplattformen und Shops gehören dir nicht. Deine Leserinnenliste schon.
- Lies dein Genre. Nicht um zu kopieren, sondern um zu wissen, was Leserinnen erwarten und wo du dich unterscheiden kannst.
Meine Bücher im Selbstverlag
Alle Bände spielen auf Föhr, sind in sich abgeschlossen und einzeln lesbar. Mit Kindle Unlimited kostenlos.
- Friesentod unterm Reetdach, Die Vorgeschichte zur Reihe. Jetzt kaufen
- Wattgeheimnisse, Band 1. Jetzt kaufen
- Teestunden-Intrigen, Band 2. Jetzt kaufen
- Friesenblau & Todesschleier, Band 3. Jetzt kaufen
- Deichgrab, Band 4. Jetzt kaufen
- Salzwiesen-Schweigen, Band 5. Jetzt kaufen
- Schlick & Schmuggelware, Band 6. Jetzt kaufen
Alle Bände mit Klappentexten · Aktuelle Neuerscheinung
Kontakt für Autor:innen-Fragen
Fragen zum Selbstverlag beantworte ich gern, soweit die Zeit reicht. Am besten funktionieren konkrete Fragen: eine Entscheidung, bei der du feststeckst, statt „Wie fange ich an?".
E-Mail: kontakt@sveadierks.de
Was ich nicht anbiete: Manuskripte lesen, Empfehlungen an Verlage, Bewertung fremder Cover. Das ist keine Unhöflichkeit, sondern eine Frage der Menge.
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